… und immer wieder

Immer wieder gelingt es ihr aus der Entfernung, dass ich mich klein und unzulänglich fühle. Sie überschreitet ungeahndet Grenzen, an denen ich mich nicht zu rühren traue. Laut, bunt, grell, distanzlos weist sie mich in meine Schranken, die mir normalerweise überwindbar erscheinen. Sie, für deren Lebenswandel ich kein Verständnis habe, die nach außen hin ihre Welt zurecht rückt, wie es ihr gefällt und nicht merkt, wie sie ihre Mitmenschen durch ihr Tun brüskiert. Mich. Jetzt gerade. Ich habe Magenschmerzen, Fieber, Kopfweh und weiß, dass ich nicht wirklich krank bin. Ich fühle mich elend und habe das Gefühl, mich beweisen zu müssen. Alles prasselt auf mich nieder, als würde es kein morgen geben. Ich bin dem gerade nicht gewachsen, verkrieche mich in mein Loch, aus dem ich schnell wieder hervorkriechen und mich fragen werde, was das jetzt wieder gewesen ist. Die Welt muss sich nur ein kleines bisschen weiter drehen…

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Seelenheil oder Heilloses Durcheinander

Ich bin eine Mimose. Oder die Welt hat sich verkehrt. Vielleicht ist das innere Durcheinander auch nur eine Folge des äußeren? Oder ist es wieder nur die zyklische Launenhaftigkeit, der ich mich längst entkommen glaubte?

In der Firma ist eine nervöse Unruhe ausgebrochen. Keiner redet offen darüber, die Chefin motzt noch mehr als sonst, wenn sie zwischen Urlaub und Dienstreisen mal da ist. Der Chefchef mischt fachlich fleißig, aber ahnungslos mit und lässt das Administrative vom in diesen Dingen ahnungslosen Fußvolk erledigen. Sogar die Ex-Chefin mischt sich ein, obwohl sie sich längst von technischen Belangen losgesagt hat. Auch sie hat die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, brockt aber Suppen ein, die andere auslöffeln dürfen. Zusammen mit dem Chefchef ein tolles Team ;-). Niemand der Entscheider legt sich fest, stattdessen mischen sich immer mehr Entscheider ein, am Ende sitzen alle zwischen den Stühlen. Wie gut, dass der gemeine Arbeitnehmer noch jede Menge (bewilligten) Urlaub hat, wer keine Lust mehr hat, organisiert sich gelbe Zettel.

Der Nachbarn Kanalisation läuft über. Noch ist die Tragweite nicht klar, auch nicht ob es auch uns betrifft. Vielleicht ist aber auch alles marode, wie eine Straße weiter.

Der Ex spielt sich auf, wohl nur, um auf Zeit zu spielen. Wichtig war er ja schon immer, zumindest gefühlt.

Der Liebste ist mal wieder auf Tour, diesmal mit seinem Ziehsohn. Die Lagertussi huldigt ihm nach wie vor, und er spielt den Geduldigen. Ich dachte, die Fronten wären inzwischen geklärt, zumindest hat es sich eine lange Zeit so angefühlt. Vielleicht stehe ich mir auch wieder nur selbst im Weg. Den Anderen mag ich als Lückenbüßer nicht reaktivieren, zu abstoßend ist mir inzwischen der Gedanke, zu innig die Verbundenheit mit dem Einen, trotz alledem. Auch wenn ich mir noch im Sommer mal kurz vorgestellt hatte, wie die damalige Reise mit ihm statt des schwarzen Mannes an meiner Seite gewesen wäre. Der Andere würde jedenfalls geschwind hüpfen, wenn ich ihn ließe, doch darüber irgendwann später mehr.
Der Liebste reist ja nicht nur mit anderen, sondern auch mit mir. Die nächste Reise steht bevor. Wenn die Ferne nur ein wenig näher wäre, ließen sich die Tage ganz anderes verbringen. Aber auch so wird es gewiss wundervoll, die Vorfreude hüpft schon in mir herum.

Dieses Wochenende gehört nur mir. Ich werde mich treiben lassen, auf alten Pfaden wandeln und vielleicht sogar die Zufälle provozieren. Jetzt, da die Ursache der Muskelschmerzen gefunden scheint, kann ich sogar wieder über Bewegung nicht nur nachdenken.

 

 

Normal oder Menschliches Versagen?

Der Mensch ist in seinem Vermögen zu urteilen und zu entscheiden eingeschränkt, von der Vorausschau ganz zu schweigen. Wer kann schon alles wahrnehmen und daraus die richtigen Schlüsse ziehen? Selbst die Erkenntnis, dass die Erde keine Scheibe, sondern eine Kugel ist, hat zur Erweiterung des menschlichen Horizonts kaum beigetragen. Heutzutage wissen wir zwar, dass es hinter dem Horizont weitergeht und sogar wie es dort aussieht. Manch einer ist sogar schon dorthin gereist und heil wieder zurückgekommen. Wenn der Blick aber in die Ferne schweift, ist am Horizont Schluss. Ähnlich ist es wohl mit dem menschlichen Vorstellungsvermögen. Wer klug ist, zieht daraus die richtigen Schlüsse auf seine Möglichkeiten. Wer ist sich schon der Tragweite seiner Entscheidungen bewusst? Selbst die gewohnt manipulative Seele, die gute Menschenkenntnis für sich beansprucht, kann sich der Auswirkung seines Tuns kaum vollumfänglich bewusst sein. Wir können nur bis zum Horizont sehen, wenn sich der Standort ändert, ändert sich auch der Horizont. Das Weltbild im Wandel… Ob Geo- oder doch Egozentrisch ist eigentlich egal. Haben nicht schon die alten ägyptischen Pharaonen die Sonne sinnbildlich um sich herumtragen lassen? Vielleicht ist die Ähnlichkeit der griechisch-römisch geprägten Worte „Geo“ und „Ego“ bewusst gewählt, als diese Sprachen entstanden? Mensch hält sich für schlau und weitblickend, in der kleinen überschaubaren Welt seines Wirkens mag es vielleicht zutreffen, aber sein Handeln ist weder weitblickend noch vorausschauend. Wie oft ist dabei doch die eigene Bequemlichkeit im Weg.
Da glaubt der Mensch an den einen Gott, der im ersten der zehn Gebote schon seine Unzulänglichkeit offenbart, in dem er fordert, keinen anderen Gott neben ihm zu ehren. Geht es nicht noch ein wenig egoistischer? Wollte er lauter Egoisten nach seinem Ebenbild schaffen? Wäre es nicht besser, erstmal an sich selbst zu glauben? Sich von Perfektionismus oder Egalität loszusagen und einen offenen und respektvollen Umgang mit seinen Artgenossen zu pflegen statt sich in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken?

Die Welt, wie wir sie kennen, ist nicht das Produkt von höheren Mächten oder Fabelwesen. Sie ist auch nicht etwa geprägt durch das Tun und Wirken von Weisheits-Poeten, deren Anhänger deren Ergüsse in die Welt tragen, sie ist vielmehr das Ergebnis von menschlicher Beschränktheit und Fehlbarkeit.

Sprache und Selbstüberschätzung

Wo fängt es an, wo hört es auf. Das Schreiben habe ich nie gelernt, außer dem, was mir das Leben mitgegeben hat. Im Deutschunterricht in der Schule war ich unterdurch-schnittlich. Ich bilde mir ein, es lag überwiegend daran, dass ich stets anderer Meinung war als der Lehrer. Viel Schulwissen ist abhanden gekommen oder durch Reformen durcheinander gebracht worden. Erst nachdem ich mein Examen wegen durch die Prüfer falsch interpretierte Gutachten (natürlich liegt die Schuld bei anderen) fast nicht bestanden hätte, habe ich mir angewöhnt, beim Schreiben ein Hintertürchen offen zu lassen, für späteren Diskussios- bzw. Richtigstellungsbedarf. Im beruflichen Umfeld hat es sich bislang bewährt. Wer ist sich schon hundertprozentig sicher? In dem einen Fall war es dem Gericht, vor das uns die andere Firma zerrte, immerhin vage genug, um unbescholten davon zu kommen. Es geht aber auch manches schief, auch Experten können sich irren, vor allem wenn sie sich auf fremden Fachgebieten tummeln, ich halte da lieber meinen Mund bzw. die Feder still, wer ist schon gerne fehlbar. Fehler zuzugeben fällt den meisten schwerer als sich um konkrete Aussagen zu drücken (*grins und an die eigene Nase fass*). Die Expertin eines wiederum anderen Fachgebietes irrt nie, egal, welcher Sprache sie sich bedient. Sie kann fließend technische englische Texte formulieren, von deutschen ganz zu schweigen (gelernt hat sie wohl Marketing – ist ja im Grunde auch Englisch). Nachdem ihr derartige Texte häufig genug um die Ohren geflogen sind, hat sie sich auf andere Themen gestürzt. Sie überarbeitet nun die firmeneigenen (deutschsprachigen) Schulungsunterlagen. Technisch, fachlich war alles korrekt und für frühere Versionen freigegeben, nur durch die ihr eigenen Formulierungen verkehren sich jetzt die Inhalte. Technische und Marketingsprache unterscheiden sich wohl doch ein wenig, zudem hat sie die bei uns regelmäßig angebotenen Produktschulungen bislang erfolgreich vermieden. Wenn ihre Umformulierungen am Ende wenigstens sprachlich korrekt wären. Wird beim hart erkämpften Redigieren neben technischen Verfehlungen auch fehlerhafte Grammatik angeprangert, heißt es, es wären überflüssige Schönheitskorrekturen, die sprachlichen Korrekturen würden nicht in den Zuständigkeitsbereich der Technik fallen – manches schreit förmlich so laut nach Korrektur, dass die Inhalte verstummen. Einige Fachbegriffe werden nicht einmal konsequent falsch geschrieben, sondern immer anders. Und so weiter. Die Kollegin ist nach wie vor der Überzeugung, alles richtig zu machen. Ich weiß nicht, ob ich sie um diese Überzeugung beneiden soll.

 

Vom Stiefeln und Stöckeln

Die Firma, der ich meine Arbeitszeit schon seit vielen Jahren verkaufe, ist groß geworden. So groß, dass nicht mehr jeder jeden kennt schon gar nicht beim Namen. Auch das Areal, auf dem sich verschiedene von verschiedenen Abteilungen „bewohnte“ Gebäude befinden, hat sich im Laufe der Jahre deutlich vergrößert. So muss ich inzwischen für die „Drecksarbeit“, die auch zu meinem Job gehört, das meiner Abteilung zugeteilte Gebäude verlassen, auch für Besprechungen muss ich zuweilen hinaus und schlimmstenfalls bei Regen zu benachbarten Gebäuden eilen. Gegen Bewegung an der frischen Luft lässt sich wenig einwenden, manchmal begegnet man alten Kollegen und bleibt auf ein Schwätzchen stehen und plaudert über gemeinsame Erinnerungen und neue Veränderungen, bevor sich die Wege wieder trennen. Ein Grund mehr, sich auf den Weg zu den Nachbarn zu machen.
Man begegnet natürlich auch Kollegen, die man kaum, nicht oder noch nicht kennt. Erstere grüßen freundlich bei den übrigen erkennt man dass es Kollegen (hier und im Folgenden sind natürlich auch die Kolleginnen gemeint) sind, daran, dass sie kein Besucher-Schild tragen. Gerade bei den mir bislang unbekannten Kollegen fällt mir das oft höchstens knappe Nicken zum Gruß auf, wenn ich in Blaumann und  Sicherheits-schuhen übers Gelände stiefel. Manch einer wirkt dabei wenigstens verunsichert – was ich zu seinen Gunsten dahingehend interpretiere, dass er so neu ist, dass er sich mehr nicht traut. Dieselben Kollegen sind dagegen überaus freundlich, wenn man ihnen im Businessdress und edlen Schühchen begegnet. Kleider machen eben Leute… Ich hatte bis vor kurzem noch geglaubt, das es egal ist, wenn beide auf der Gehaltsliste des gleichen Herrn stehen …

 

Alltagskuriositäten oder Resteverwertung

  • Wie kann ich ins Steißbein atmen?
  • Warum ist die erste Frage des lange nicht mehr gesehenen Ex-Kollegen, ob ich immer noch in Teilzeit arbeiten würde?
  • Warum ficht der GF selbst ausgehandelte Verträge an?
  • Was machen Vegetarier mit ihrer Fleischeslust?
  • Was macht der Schwimmer, der Wasser überhaupt nicht leiden kann?
  • Warum führt die Nachbarin offensichtlich vertrauliche Gespräche so, dass andere mithören können?
  • Was hat es mit dieser sprachlichen Resterampe auf sich? Restsommer, Resturlaub, Restwochenende, Resttag …

R.I.P.

Rückblickend scheint es seltsam, dass ich in der vorvergangenen Woche einen Artikel in der Zeitung las, einen Artikel über ein Thema, welches mich im Grunde überhaupt nicht interessiert. Ich lese solche Artikel nicht, weil sie mich erschrecken, weil es jedem jederzeit und überall passieren kann. Unfälle mit Todesfolge. Diesen hatte ich trotzdem gelesen. Gestern erfuhr ich, dass ich sie gut kannte… Ruhe in Frieden.

Familiäres und Zu viel unterwegs

München – Hamburg – München – Sofia – London – Ganzweitweg – Hamburg – München – Hamburg – Allgäu. Dazwischen auch mal am heimischen Schreibtisch schaffen. Ganzweitweg und Allgäu haben immerhin vereinzelte Urlaubstage bedeutet, einmal Hamburg auch – Familientage.

An einem dieser Familientage: Die beiden Großneffen haben jeder eine Frisbee-Scheibe geschenkt bekommen. Der Große (6) wirft die Scheibe (immerhin zwei Meter weit) und jauchzt: „Meine geht!“. Der Kleine (3) ist technisch weniger versiert und meint: „Meine ist kaputt.“, die Tränen kullern und er wirft sich in Papas Arme. Zum Glück kann Papa die Scheibe wieder reparieren, so dass sie wieder fliegt (auch wenn der Kleine sie wirft). Und Mama und ich genießen derweil den Tag in vollen Zügen.

Der Alltag ist mir gerade egal, das Herz so weit, mein liebster Trödelkönig so nah bei mir, als würde für einen Moment die Zeit still stehen.

Das Leben ist schneller als ich…

Seit ein paar Wochen (oder sind es Monate) beschleicht mich das Gefühl, dass nicht mehr ich es bin, die das Tempo in meinem Leben bestimmt. Ich habe zwar immer noch kein Patent, auch die steile Karriere blieb mir bislang erspart (ich strebe sie allerdings auch nicht an). Dennoch ist alles um mich herum in Bewegung und ich versuche, das Tempo mitzugehen, weil es sich um mein Leben dreht.

Auf einmal bin ich beruflich viel unterwegs (gemessen an der Zahl meiner früheren Dienstreisen hat sich die Frequenz vervielfacht). Ich empfinde es als Bereicherung, nicht mehr als Belastung. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich das Kollegenkarussel gedreht hat und ich meine Aufgaben nicht mehr mit dem grünen Kollegen teilen muss, sondern mit einer jungen Kollegin, die schnell, gescheit, gewissenhaft und kommunikativ ist. Manch eine Routineaufgabe hat durch dieses Miteinander eine unglaubliche Dynamik entwickelt. Sie ist sprachlich gewandt, bei ihren Formulierungen bleibe ich nicht an Fehlern hängen, sondern kann mich auf Inhalte konzentrieren. So darf es gerne weitergehen.

Der Andere, der Freund, ist mal wieder auf Wanderschaft. Seine Sicht auf die Welt und seine Gelassenheit sind eine Bereicherung, die ich nicht mehr missen möchte, auch ohne körperliche Abwege.

Das liebe Geld? Es rinnt mir gerade so durch die Finger. Es fängt an mit den beruflichen Verpflichtungen angepasster Kleidung, Urlaub, Auto, Urlaub, Mobilfunkgerätersatz, Erneuerung der in die Jahre gekommenen Alltagsgarderobe, Geschenke zu Jubiläen und Hochzeiten, von Geburtstagen mal abgesehen. Immer wenn ich die Bremse ziehen möchte, rinnt es noch schneller. Zum Glück ist noch genügend da.

Mein großer schwarzer Mann wird merkwürdig auf seine alten Tage. Für seine Verhältnisse jedenfalls. Bindung ja, aber nicht zu eng, Abwege mag man ihm verzeihen oder gehen. Die Freiräume ausweitend, ausnutzend, so habe ich ihn kennengelernt, verschwiegen, geheimnisvoll und dennoch voller Liebe zu seinen Mitmenschen – es sei denn, sie ärgern ihn übermäßig. Für mich fährt er mit mir an den Fluss, kümmert sich um besondere Haushaltsdinge, die seins nie waren. Spontan sein Handeln im Privaten, kaum vorhersehbar, jetzt will er planen… Eine schleichende Veränderung, aber auf einmal ist alles anders. Ich bin zu überwältigt, um mich erdrückt zu fühlen.